Lechtaler Alpen
Leutkircher Hütte

Lechtaler Alpen

Die Lechtaler Alpen sind immer noch ein kleiner Geheimtipp für diejenigen Wanderer, die es etwas ursprünglicher und weniger überlaufen mögen. Die Lechtaler Alpen liegen im Wesentlichen im österreichischen Bundesland Tirol. Die Gebirgsgruppe zieht sich von den Skigebieten in St. Anton und Zürs im Westen bis zum Fernpass im Osten. Dazwischen findet man viel Natur und die höchste Erhebung der nördlichen Kalkalpen – die Parseierspitze (3.036 m). 
Bei der Alpenüberquerung im vorangegangenen Jahr hatte ich sehr nette Leute kennengelernt. Nun haben wir uns als Gruppe zu einer neuen Tour im Jahr 2010 verabredet und wieder bei der Bergschule Oberallgäu gebucht. Unsere Route durch die Lechtaler Alpen war wohl eine Art Pilot-Tour für die Bergschule, denn die heutige Streckenführung der letzten beiden Etappen unterscheidet sich von unserer damaligen Tour. In den Lechtaler Alpen trafen wir auf weniger überlaufene Hütten und Wege. Das war sehr angenehm. Nur bei der Kreuzung des vielbegangenen Fernwanderweges E5 übernachteten wir wie im Vorjahr in der sehr gut besuchten Memminger Hütte.

Gehzeit

Maximal 6h pro Tag Insgesamt 30 Stunden

Aufstieg

Maximal 860 m pro Tag Insg. ca. 3.650 Hm (ohne Valluga)

Abstieg

Maximal 1.200 m pro Tag Insg. ca. 4.000 Hm (ohne Valluga)

Schwierigkeit

Mittel - Schwer

Wenn Du lieber schauen willst, dann geht es schon hier…

1.Tag: Zürs - Stuttgarter Hütte

Treffpunkt war diesmal in Zürs (1.717 m) im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Dort herrschte im Sommer eine eigenartige Atmosphäre. Die Fensterläden einiger Gebäude waren geschlossen. Keine Menschenseele zu sehen. Der Wintersportort war wie ausgestorben.
Gut gelaunt starteten wir und gelangten über Almwiesen nach 3 Stunden zur Stuttgarter Hütte (2.308 m). In der Nacht plagten mich starke Kopfschmerzen, aber eine einfache Kopfschmerztablette half. So etwas kommt wohl vom plötzlichen Übergang aus dem Arbeits-Stress in die Höhe von zwei Tausend Metern.

Kleiner Tipp:
Eine Anreise am Vortag der Wanderung hilft zumindest ein wenig bei der Akklimatisierung.

2. Tag: Stuttgarter Hütte - Leutkircher Hütte

Am nächsten Tag schlug uns der Bergführer vor, auf den Aufstieg zum Gipfel der Valluga (2.809 m) zu verzichten. Ich bedauerte das, aber der Einschätzung unserer Gruppe durch den Bergführer wollte ich nicht widersprechen. Das sind die Vor- und Nachteile einer geführten Bergtour. Einerseits kann man nicht tun und lassen, was man will. Andererseits hat man mit einem Bergführer viele Vorteile: Er kann sowohl seine Gruppe als auch die Schwierigkeiten des Weges (Auf- und Abstieg zur Valluga) gut einschätzen. Damit verringert er Gefahren und vermeidet Diskussionen über die Streckenführung. Wenn doch etwas passieren sollte, ist er eine unersetzliche, erfahrene Hilfe.
Der alternative Weg zur Leutkircher Hütte (2.252 m) führte uns über das Erlijoch (2.430 m) und vorbei an der Alpe Erlach. Dort gab es etwas Kräftiges zur Stärkung. Der Weg gestaltete sich sehr schön. Und spannend: Es ging in einer Höhe auf einem Pfad entlang, der sich an fast senkrecht abfallende Felsen schmiegte. Dabei wurde der ins Tal stürzende Stapfetobel überquert. Zu unserer Freude konnten wir Murmeltiere aus nächster Nähe sehen, Steinböcke beobachten und blühende Alpenrosen bewundern. Die Leutkircher Hütte wirkt durch einige noch vorhandene historische Einrichtungsgegenstände gemütlich. Sie wird aller drei, vier Wochen mit dem Helikopter aus der Luft versorgt.

3. Tag: Leutkircher Hütte - Ansbacher Hütte

Die nächste Etappe umfasste eine größere Strecke mit vielen Auf- und Abstiegen. In der Mitte der Strecke wartete ein willkommener Höhepunkt auf uns: Das Kaiserjochhaus (2.310 m) mit Einkehrmöglichkeit. Das Essen und Trinken in den Hütten und Alpen gehört zum Bergwandern einfach dazu und zählt für mich mit zu den schönsten Erlebnissen in den Bergen. Unser Weg führte abwechselnd durch Wiesen, über Geröllhänge und war teilweise leicht ausgesetzt und sogar seilversichert. Nach der Kridlonscharte (2.360 m) überquerten wir noch drei weitere Jöchle (Hinterseejoch 2.482 m, Alperschonjoch 2.320 m, Flarschjoch 2.464 m), ehe wir endlich erschöpft bei der Ansbacher Hütte (2.376 m) ankamen. In besonderer Erinnerung von diesem Tag bleibt mir das Türkisblau der beiden Bergseen Hintersee und Vordersee inmitten der grauen Felsen. Das begeistert mich heute noch beim Betrachten der Fotos.

4. Tag: Ansbacher Hütte - Memminger Hütte

Bei gutem Wetter stiegen wir am nächsten Tag über die Kopfscharte (2.460 m) zum Winterjöchl (2.528 m) hinauf und dann zum höchsten Punkt der heutigen Tagesetappe, der Grießlscharte (2.632 m). Dort lag Mitte Juli bei sommerlichen Temperaturen noch reichlich Schnee. In der Ferne konnten wir die Memminger Hütte schon sehen. Erst erfolgte jedoch ein langer Abstieg durch das Langkar ins Parseiertal (1.723 m). Nach einer verdienten Rast und der Überquerung des Parseierbaches stiegen wir erneut  500 m auf und gelangten zur Memminger Hütte (2.242 m). Diese kannten wir ja noch aus dem vorigen Jahr.

Kleiner Tipp:
Fast alle überqueren auch schwierigere Bäche fast immer von Stein zu Stein schreitend. Das ist praktisch, geht zügig, birgt aber die Gefahr des Abrutschens und damit einer Verletzung und im Inneren nasser Schuhe. Letzteres ist Gift fürs Weiterlaufen.
Ich habe es diesmal beim Parseierbach barfuss probiert, aber das erwies sich als zeitaufwendig und ähnlich gefährlich.

 

5. Tag: Memminger Hütte - Württemberger Haus

Das Ziel der vorletzten Tagesetappe war das Württemberger Haus. Gleich nach der Übersteigung der Seescharte bogen wir links vom E5 ab. Die weitere Tour führte uns über den Großbergkopf und bot wunderbare Ausblicke auf die umliegende Bergwelt. Vor dem Schauen musste ich immer stehenbleiben, denn der Weg erforderte Trittsicherheit. Das Württemberger Haus wird vom Hubschrauber versorgt. Trotzdem fehlte es beim kulinarischen Angebot an nichts. Eine Dusche war 100 m von der Hütte entfernt am Bach installiert. Praktisch, aber kalt.
Wobei ich persönlich sagen muss, dass das Duschen in den Bergen eigentlich eine Unsitte ist. Die Abwässer passen einfach nicht in die empfindliche Natur des Hochgebirges. Das Matratzenlager war eng und gut gefüllt. Trotzdem schafft die Hütte eine sehr entspannte, naturnahe und gemütliche Atmosphäre. Liegestühle mit Blick in die Berge gibt es nicht so oft.

6. Tag: Württemberger Haus - Gramais

Am letzten Tag ging es für uns zunächst zur Bitterscharte hinauf (2.535 m). Von dort stiegen wir teilweise seilversichert ab. Auch der weitere Weg nach unten enthielt viele steile Passagen. Bis nach Gramais (1.321 m) hinunter waren es letztlich 1.200 wenig kniefreundliche Höhenmeter.
Die gleiche Tour der Bergschule führt heute (2021) von der Memminger Hütte zur Hanauer Hütte. Diese Etappe ist auf der Internetseite der Bergschule mit 15 km, 1.275 m bergauf und fast 1.600 m bergab angegeben. Von dort ist der Abstieg nach Gramais wohl ähnlich knieunfreundlich, vermute ich.
Wieder zurück in der Zivilisation (Gramais hat lt. Wikipedia 41 Einwohner) freute ich mich einerseits auf mein eigenes Bett und die warme Dusche zu Hause, andererseits vermisste ich schon jetzt die Stille, die Natur und den Blick auf das Bergpanorama.
Aber wir hatten ja schon Pläne für eine Bergwanderwoche im nächsten Jahr geschmiedet. Nach einem gemeinsamen Essen wurden wir vom Kleinbus wieder zurück nach Zürs gebracht.